Häufig gestellten Fragen / FAQ

Seit wann gibt es den Arbeitskreis und wie ist er entstanden?

Den Arbeitskreis gibt es seit 1999. Unsere erstes Treffen fand 2000 in Berlin statt. Davor gab es einen regen Brief und Mailverkehr. Entstanden ist er aus einer Anzeige im BDSM Magazin Schlagzeilen.

Wie groß ist der Arbeitskreis?

Eine genaue Anzahl der Mitglieder können wir nicht nennen, weil wir kein Verein sind, in den man formal ein oder austreten muss. Wir haben meist so zehn bis zwölf Aktive, die bei den meisten Treffen dabei sind und regelmäßig mitarbeiten. Daneben gibt es noch viele Interessierte, die von Zeit zu Zeit mal mitarbeiten. Im Laufe der Jahre konnten sich so einige hundert Menschen begegnen und in einen gemeinsamen Dialog treten, den die meisten aber auch wieder beenden, wenn das Thema aus irgendeinem Grund durch ist.

Was sagt die Bibel zu BDSM?

Das Konzept BDSM gab es zu biblischer Zeit noch nicht, also kann in den Texten der Bibel auch nichts dazu stehen. Zum Thema Sexualität und auch zu Machtverhältnissen findet sich aber sehr viel. Daraus kann man natürlich Rückschlüsse zu BDSM heute schließen. Diese werden wegen der großen Vielfalt von BDSM-Identitäten und Glaubensformen auch innerhalb des christlichen, sehr unterschiedlich ausfallen. Ihr findet in den Texten auf unserer Seite schon sehr viele individuelle Ansätze.

Ist das Christentum nicht sexualitätsfeindlich?

Nein, schon in der Vorgängerreligion dem Judentum wird Sexualität eher positiv gesehen und mit Segen und Fruchtbarkeit in Verbindung gebraucht. Es gab ein wichtige Vorstellung von Reinheit und gute Sexualität fand in der Ehe statt.

Daran hat sich mit dem Christentum nichts geändert. Eine neue Variante der Enthaltsamkeit ist allerdings mit Paulus hinzu gekommen, aber sie war nicht gegen die Sexualität gerichtet.

Später gab es dann eine Vorstellung von Sünde, die aber nicht nur christliche Wurzeln (vergl. Gnosis) und die Sexualität innerhalb der Ehe selbstverständlich nicht negativ gesehen hat. Eher sah man die Menschen als schlecht, was die göttliche Vergebung, noch wichtiger machen sollte. Diese Vorstellungen sind aber weitestgehend überwunden. Eine Geschichte der christlichen Sexualmoral ist sehr komplex und mehrere davon unserer Literaturliste zu finden.

Stephan (über mich)

Das Bild zeigt mich auf dem Kirchentag 2005 in Hannover. Es ist also schon ein bisschen älter. Dieser Kirchentag war der erste, bei dem wir einen Infostand hatten und das Jahr 2005 war nicht nur deshalb sehr wichtig für mich.

Beim Arbeitskreis bin ich dabei, seit es ihn gibt. Zwischen meinem Glauben und meinen sexuellen Neigungen habe ich nie Konflikte gehabt, aber ich finde das Thema, gerade an der Schnittstelle, sehr interessant.

Es gibt sehr viele Vorurteile gegenüber dem Christentum, vor allem, dass es sexfeindlich sei und dies vor allem bei Nichtchristen und ehemaligen Christen. Viele Menschen haben das auch genau so erlebt. Diese Geschichten standen aber für mich in Gegensatz zu meinem Glauben, dass die göttliche Schöpfung gut ist. Auch mit der sexuellen Fortpflanzung überall wunderschön.

Wenn Menschen ihren Frieden in der Enthaltsamkeit finden, kann ich das gut nachempfinden. Askese ist wirklich gut und macht frei. Für mich stand aber immer fest, dass ich ein weltliches Leben mit alles, was dazu gehört brauche. Mein Denken ist sehr philosophisch und daher kennt mein Glaube auch keinen Widerspruch zu den Naturwissenschaften.

Im Arbeitskreis haben wir uns bei den ersten Treffen schon mit den destruktiven Formen von Religion beschäftigt und gemerkt, wie wir uns von ihnen befreien können. Gemeinschaft zu haben und dabei voneinander zu lernen ist mir sehr wichtig. Sonst kreist man in seinen Gedankenwelten nur um sich selbst.

Mir sind Gespräche über Sexualität und Glauben auch deshalb wichtig, weil ich in beiden Bereichen viel gelernt und mich weiter entwickelt habe. Viele Meschen meinen Sexualität passiert einfach irgendwie, darüber kann man nicht reden. Aber so hätte ich die intensive, spirituelle Seite der Sexualität nie entdeckt.

BDSM bedeutet für mich die Hilfsmittel und Rollenbilder, die da sind, dort zu verwenden, wo es vernünftig und langfristig gut ist. Mein Weg in die BDSM-Szene der 2000er Jahre war ein Weg der Befreiung. Endlich konnte ich mit vielen Menschen offen Reden und auch Partner zur Realisierung finden.

Heute ist alles noch viel größer und differenzierter, aber der Weg in die „sexpositive“ Freiheit steht nach meinem Eindruck noch ganz am Anfang. Für mich ist es wie der Auszug aus Ägypten, aus der ungerechten Welt des Patriarchats, hinein in die selbst gewählter und gestalteter sexueller Identitäten. Das die konsensuelle Sklavenhaltung dazu ein Weg ist, hat eine gewisse Ironie, ist aber authentisch. Denn im Konsens liegt darin Freiheit.

Unser Leitlinien

  • Präambel: Gottesbezug
    Als Geschöpfe Gottes geben wir Rechenschaft über unsere Gedanken, Taten und Sünden gegenüber Gott.
    Wir glauben an die Liebe und Errettung durch Jesus Christus.
  • Wir und die Kirchen
    Wir sind Mitglieder der ökumenischen christlichen Gemeinschaft.
  • Wir und BDSM
    Wir akzeptieren und leben die vielfältige und einvernehmliche BDSM-Kultur.
  • Wir und Fragende
    Wir wertschätzen den Dialog mit Fragenden als Bereicherung und Lebenshilfe.
  • Wir und die Kritiker
    Wir wollen konstruktiv mit Kritik umgehen und erwarten dies auch von unseren Kritikern.
  • Wir intern
    Wir gehen achtsam miteinander um.
  • Postambel
    Jeder ist herzlich willkommen zum Dialog.

Persönlicher Steckbrief Petra

Petra@sm-und-christsein.de
Also, mit wem habt ihr es zu tun, wenn Ihr mir schreibt:
eine 52 jährige Frau, die aus Schleswig Holstein stammt, gläubige Christin ist, 25 Jahre mit einem nicht SMler verheiratet war und seit 2015 verwitwet ist. SMuC durfte ich 2005 auf dem Hannover Kirchentag kennen­lernen und war sehr dankbar Gleich­gesinnte zu treffen.

Mein Motto:
Ich bin Christin nicht nur Weihnachten und Ostern, sondern jeden Tag!!! Man hat die Veran­lagung, das Gefühl von Dominanz und Unter­werfung/ Devot­sein auch nicht nur zweimal im Jahr. SM ist einfach nur sehr schön, aufregend und prickelnd erotisch. Aber auch hart, de­müt­igend und ich kann mich „klein“ und „unten“ fühlen…. Die thematische Auseinander­setzung zu beiden Bereichen, SM aus der „Schmud­del­ecke“ rauszuholen , ohne Diskrimi­nierung offen in der Gesel­lschaft zu seiner Neigung stehen zu können ist meine per­sönliche Ziel­setzung. Dafür engagiere ich mich.

Das Leben empfinde ich als bunt, interessant und vielfältig. Am liebs­ten genieße ich die Natur auf 2 Rädern mit vielen PS unterm Sitz…

Vertrauen Herbsttreffen 2018

Vom 12. – 14. Okt. 2018 haben wir uns beim SMuC-Bundestreffen in Kirchheim mit dem Thema „Vertrauen“ beschäftigt. In Anlehnung an die Kirchentagslosung 2019 aus 2. Kön. 18,19 und weil Vertrauen auch im BDSM-Bereich eine große Rolle spielt.
Im genannten Bibeltext steht z. B das Wort Vertrauensmann. Für den König zur damaligen Zeit war das der Mundschenk, der die Weine im Beisein des Königs vorkosten musste, damit dieser darauf vertrauen konnte, dass diese nicht vergiftet waren. Im hebräischen Urtext wird das Wort „batak“ verwendet, das soviel wie „sich sicher fühlen, sorglos sein“ bedeutet.
Zunächst ging es uns um den Begriff im Allgemeinen, im Gottesbezug, in der Umwelt, in der Gesellschaft, im Zusammenspiel von Freunden, Familie und Beziehungen und dann im BDSM-Kontext.
Im frühkindlichen Alter entwickelt sich eine gesunde Selbstwahrnehmung durch positive Erfahrungen. Gestörte Selbstwahrnehmung ist das Ergebnis eines disfunktionalen Umfelds. Eigene Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen und ignoriert oder systematisch gegengesteuert, d. h. der Mensch kann kein Vertrauen in sich selber und anderen gegenüber entwickeln (bio-psycho-soziale Komponente).
Vertrauen kann auch bedeuten, dass man abwartend reagiert und Ruhe bewahrt. Aus dem Wort Vertrauen haben wir dann die folgenden Worte abgeleitet: Zutrauen, sich trauen, Ehetrauung, Selbstvertrauen.
Selbstvertrauen entsteht, wenn wir jemanden fördern und auch fordern. Wenn wir kein Vertrauen entwickeln können, in welcher Form auch immer (z. B. gegenüber Mengenangaben auf Verpackungen, Technik, Strom- und Wasserversorgung, Jahreszeitenabfolge, in eigene Fähigkeiten) ist der Mensch nicht lebensfähig.
Vertrauen basiert somit auf Erfahrungen, durch Vertrauensvorschuss und vertrauenbildende Maßnahmen.
Verlorengegangenes Vertrauen kann wieder hergestellt werden, wenn der Mensch vergeben kann. Dieses ist ein aktiver Arbeitsprozess (Anklage, Schuldeinsicht und Racheverzicht) und kein Automatismus.
Der Gegensatz zum Vertrauen ist nicht Misstrauen, sondern Angst. Existenzielle Ängste entstehen, wenn das Urvertrauen nicht aufgebaut oder gestört worden ist.
Ein positives Schlüsselerlebnis sei es für sie gewesen, so erzählte eine Teilnehmerin, dass sie durch Ausübung von Klinikerotik ein Trauma in Bezug auf einen realen Krankenhausaufenthalt und Misstrauen gegenüber Ärzten überwinden konnte.
Beim Ausleben von BDSM-Praktiken können sowohl der aktive als auch der passive Partner gegenseitig in Hinblick auf Vertrauen wunderbare Erfahrungen sammeln: Der aktive, indem er auf die Rückmeldung des passiven Partners vertraut, dass dieser ggfs. das ausgemachte Codewort einsetzt. Und der passive Partner, indem er sich vertrauensvoll in die Hände des aktiven fallen lassen kann und beide sich durch Achtsamkeit und gegenseitige Wertschätzung in ihren Positionen akzeptieren.