Bitte nicht in alten Klischees bleiben

Wenn Sie über uns schreiben wollen oder in sonstiger Form, Podcast, Filmdokumentation, Radiosendung über uns berichten wollen, bitte fallen Sie nicht in die alten Klischees. Diese interessieren ihre Leser oder Follower nur sehr bedingt und kurzfristig. Also es gibt sie noch die dunklen Keller und Clubs für BDSM, aber sie sind längst nicht mehr alles. Es gibt auch Workshops, Partys und Events in schönen Räumen. Auch hier können Menschen mit viel Achtsamkeit BDSM leben.

Es gibt sie auch noch, die Kirchenmenschen, die jede Form von Erotik und Sexualität kategorisch als Sünde ablehnen, aber man muss sie suchen. Deutlich mehr gibt es schon, die das Thema auf Eheleute untereinander begrenzt wissen wollen, aber auch hier ist bei den meisten schon angekommen, dass man nicht ohne Wissen auskommt. Wenn man erfolgreich sein will, muss man auch wissen, worauf man verzichtet und warum. Viele Kirchenleute sind heute in der Paar- und Einzelberatung und natürlich in der Seelsorge schon richtig fit und vor allem nicht mehr überrascht, wenn auch Wünsche aus dem BDSM Bereich vorkommen.

Bitte helfen Sie ihren Lesern, die helle Welt des BDSM kennen zu lernen. Wer dann doch freiwillig im dunklen sucht, wird wissen warum. Wir wollen darüber hinaus helfen, christlicher Spiritualität – auch im Bereich von Sexualität – ihre angemessene Rolle zu geben. Und sie so als alternativen Entwurf zu Tantra und Esoterik für ein gelingendes Leben zu etablieren. Unsere christliche Kultur hat auch hierfür so viel zu bieten, dass man nicht zwangsläufig im exotischen suchen muss, aber natürlich darf.

Autor: Stephan

Albrecht

Als Sechsklässler laß ich Karl May „die Sklavenkaravane“. Als ich an die Stellen kam, mit der Aussortierung der Frauen, mein Herz schlug schneller und noch schneller. Das blieb so, auch als ich größer wurde. Karl May hat da noch andere Stellen. Geschichten über die Versklavung von Frauen unterlegenen Völker, gab es bei vielen antiken Sagen und Geschichten über Geschichte. Mit meiner Phantasie konnte ich mir viele Geschichten zusammen spinnen.
Aber ich bin auch Christ und sehr stark mit der Kultur der Purity Kultur konfrontiert. Das waren zwei Richtungen, welche mir sehr wichtig waren. Aber wie zwei Züge welche in unterschiedlichen Richtungen unterwegs waren, und ich auf beiden Plattformen stand, so fühlte ich mich lange Zeit. Wie sollte Gott einen Menschen wie mich liebhaben können? Ich war gedanklich schon lange dabei mich durch einen klaren Schritt des Problems zu entledigen. Damals gab es noch kein Internet. Ich fühlte mich alleine auf der Welt. Nur einer wusste davon und der würde mich gewiss verurteilen, wenn ich dann endlich gestorben wäre. Ich begann freikirchlich Theologie zu studieren und hatte plötzlich Zugang zum Internet. Dort lernte ich, dass ich nicht der einzige war, der so fühlte. Mein Empfinden hat einen Namen. Zusammen mit den Werkzeugen, welche ich aus dem Studium für mich erschlossen habe, konnte ich mein So-sein anders einordnen. Die Mitarbeit in dem ökumenischen Arbeitskreis für BDSM und Christsein bestärkt diese Arbeit in mir selbst. Ich fühlte mich als zu alt eine Beziehung zu suchen. Aber ich bringe meine Phantasien zu Papier, elektronisches Papier. Durch meine Mitarbeit im Arbeitskreis möchte ich anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Zereißprobe befinden, zeigen dass es einen Weg zur Vereinnehmlichung gibt.

„Jetzt ist die Zeit“ Frühjahrstreffen 2023

Für mich war es das erste Bundestreffen im Schnee. Ich habe gemerkt, das einige schon im Modus, wann wird es endlich Frühling waren und sich dann doch ein bisschen über die weiße Pracht gefreut haben. Für mich sind die Winter viel schöner wenn es außer kalt und grau auch Sonne und weiß gibt. Einige von uns waren sogar Schlitten fahren.

Am wichtigsten war für mich wieder der gemeinsame Gottesdienste bzw. Andachten. Dabei fühle ich und andere auch wie wichtig uns die Gemeinschaft mit Menschen die den Glauben und BDSM teilen ist.

Mich hat Micha mit seinen Gedanken zu Gen 3,16, dass Mann und Frau erst in der Gemeinsamkeit, die Gottesebenbildlichkeit und gerade in der Unterschiedlichkeit ihrer Rollen darstellen sehr inspiriert. Mir war dieser Gedanke noch nicht gekommen und durch ihn bekommt der Konsens, wegen der unterschiedlichen Rollen, die es auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen gibt, die Bedeutung, die er braucht.

Auch die beiden Bibelarbeiten von Albrecht zu Psalm 31, 8 und Kor. 12 12 bis 27 haben mir neue Perspektiven eröffnet. Ein ganz anderes, entspannteres Verständnis der Leiblichkeit aus dem Hebräischen Kontext heraus. Vor allem, weil ich am Muttertag letzten Jahres einen Kurs Zervix Meditation besucht hatte und nie erwartet hatte das ich im Arbeitskreis einen weiteren Baustein zu diesem wichtigen Thema finden würde.

Abraham: Sadomasochismus und christliche Ethik

Der Text von Abraham (nicht der bürgerliche Name des Autoren) entstand in den ersten Jahren des Arbeitskreises (ca. 1999 bis 2004). Deshalb ist im Titel auch noch von Sadomasochismus und nicht von BDSM die Rede. Das ist zu bedenken, weil das gesellschaftliche Umfeld sich seit dem sehr geändert hat. Die Überlegungen zur Bibel sind aber noch aktuell.

Gibt es eine Hölle und falls ja, kommt man wegen BDSM dort hin?

Ein Beitrag von Stephan

Schon vor der Aufnahme der Folge des Podcast „ Kunst der Unvernunft“ war mir klar, dass Sebastian mich fragen würde, ob man für BDSM in die Hölle kommt. Vor der Aufnahme war mir allerdings nicht klar, wie komplex meine Antwort auf diese Frage wirklich ist.

Erst, wenn ich versuche systematisch zu erklären, merke ich, dass ich meine Philosophie nicht in einem Podcast unterbringen kann. Deshalb hier für Menschen, die es interessiert, eine ausführlichere Version:

Die Frage, ob man für BDSM in die Hölle kommt hat eine gewisse Ironie, weil der Begriff BDSM bei Menschen, die es nicht kennen, Bilder hochkommen lässt, die als Hölle ansehen werden könnten. Aber das ist ein Missverständnis oder schwarzer Humor. Da BDSM, einvernehmlich ist, hat es mit den Vorstellungen, die als Hölle bezeichnet werden, nichts zu tun. Man sollte hier nicht danach gehen, wie es aussieht, sondern, wie es sich für die vermeintlichen „Opfer“ anfühlt.

Ein ernster Hintergrund ist, dass die Kirchen Jahrhunderte lang den Menschen mit der Hölle gedroht haben. Dabei standen die sexuellen „Sünden“ tatsächlich im Vordergrund. Heute sehen wir darin aber ein falsches Ringen um Macht und Geld. Wie und warum es dazu kam, werde ich in einem anderen Artikel beschreiben.

Viele Menschen brauchen tatsächlich die Vorstellung von der Hölle, um ein gutes Leben führen zu können. Sie wollen sich kontrolliert fühlen. Es ist philosophisch relativ komplex zu erklären, warum ein gutes Leben zu führen auch dann besser ist, wenn keiner kontrolliert oder wenn man sogar die „Macht des Stärkeren“ hat. Solange man die Vorstellung als Hilfe braucht und sich damit nicht schadet, meinetwegen. Aber der Weg der Einsicht ist der bessere.

Keine Lösung bedeutet für mich die Annahme, dass es vermutlich gar keine Hölle gibt, weil es dann, aus meiner Sicht, vermutlich, auch kein ewiges Leben gäbe.

Etwas, dass man Hölle nennen kann gibt es jedenfalls im diesseitigen Leben. Die Hölle in der realen Welt, die Menschen anderen Menschen bereiten. Also wenn wir unsere Erinnerungen mitnehmen, gäbe es diese auch im künftigen.

Unsere irdischen Denken, Fühlen und Erinnern hängt immer mit unserem Gehirn, also unserem Leib zusammen. In der Raum- und Zeitlosigkeit kann dies aber nicht mehr so sein. Wenn wir einen „Auferstehungsleib“ bekommen, so muss dieser ganz anders sein. Wir werden, so vermute ich, und so verstehe ich die Bibel, nicht nur unsere Erinnerungen mitnehmen, sondern im „Erkennen von Angesicht zu Angesicht“ auch das Wissen um die Erinnerungen der anderen. Also auch derer, denen wir vielleicht böses angetan haben.

Wenn wir also schlechtes getan haben, nehmen wir das schlechte mit, aber eben auch das gute. Selbst wenn wir es im leiblichen Leben nicht bemerkt oder sogar verdrängt haben. Das meist wird natürlich irgendwo in der Mitte liegen.

Eine Hölle, wie bei Dante gibt es ganz sicher nicht. Hier setze ich für mich also kein vermutlich, sondern ein klares: „Nein“. Das merkt man dem Text aber auch schon an, dass er eher als eine Karikatur der realen Welt gemeint ist.

Vor Geschichten, wie dieser, sollten wir tatsächlich keine Angst haben. Die biblischen Geschichten, in denen so was wie die Hölle vorkommt, sind jedenfalls ganz anders als unsere Alltagsvorstellungen von der Hölle, die vermutlich eher Dante ähneln. Ein für mich anschauliches Beispiel ist die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk. 16, 23), die mich sehr beeindruckt.

Oft ist die Übersetzung „Hölle“ auch irreführend, weil wir da eben an Dante denken. Diese Vorstellungen entstammen aber erst dem Mittelalter. Eine gute Übersicht der Entwicklung dieser Vorstellungen findet sich im Bibellexikon.

Der Fokus der Bibel liegt nach meinem subjektiven Eindruck eindeutig bei Gnade und Vergebung, aber eben nicht bei „ist doch egal“. Deshalb macht für mich die Hölle Sinn, aber keine Angst.

Also wenn man sich selbst mit Bildern von der Hölle motiviert, aber diese nicht wirklich ernst nimmt, dann ist das in Ordnung. Wenn man anderen Angst macht, ist das nicht nicht mehr in Ordnung. Wenn man Warnungen ausspricht, das Leben ernst zu nehmen, wie die Bibel es tut, dann ist das gut.

Was mir wirklich Angst macht, ist der Glaube vieler Menschen an die Beliebigkeit, also dass es in letzter Konsequenz gar nicht darauf an kommt, ob man gutes oder schlechtes anstrebt. Die reale Hölle, wenn solche Mensch anderen etwas böses tun, einfach, weil sie es können, gibt es jedenfalls. Aber genauso sind dann auch, die Menschen, die nur meinen gutes zu tun und in Wahrheit schlechtes tun, wie die „ernsthaften Prediger der Hölle“.

Grundsätzlich denke ich, dass mehr auf die Lebendigkeit ankommt. Angst machen ist wie beschrieben keine Lösung. Die Fragestellung nach der Hölle ist meine Erachtens deshalb schon falsch, den BDSMler sind, nach meiner Auffassung, eher ein Fall fürs Paradies. Denn wer das Geschenk des Lebens und der Lebendigkeit so konsequent annimmt, nimmt schöne und intensive Erfahrungen mit. Er oder sie tut Menschen etwas gutes. Also: Kommen wir wegen BDSM in Paradis?

Die Gefahr, den Sinn des Lebens zu verfehlen besteht im Rückblick jedenfalls eher in der Oberflächlichkeit mit der wir unsere Lebenszeit oft verschwenden, statt gutes zu tun und zu empfangen.

Vermutlich habt ihr, die ihr diesen Text von mir lest ganz andere Vorstellungen von der Hölle oder einem Weiterleben nach dem Tod und welche Rolle die Sexualität dabei spielt. Falls ihr auch Lust habt, euch darüber auszutauschen, schreibt gern in die Kommentare per Mail. Auch auf den Treffen des Arbeitskreis kommen wir immer wieder auf solche Themen.