Stephan bei „Kunst der Unvernunft“

Ein Beitrag von Stephan

Im Dezember war ich bei Sebastian zur Aufnahme einer Folge seines Podcast „Kunst der Unvernunft“. Jetzt im Januar ist sie veröffentlicht. Es war mir ein Anliegen den Arbeitskreis im BDSM Podcast Kunst der Unvernunft vorzustellen, weil unser Thema BDSM und Christsein immer mal wieder Thema in den Folgen war. Dazu wollte ich eine weitere Meinung beitragen. Auch der Arbeitskreis wurde schon erwähnt und da lag es für mich nahe, ihn auch vorzustellen.

Ich hatte einen Menge Dinge, die ich erzählen wollte, aber wie immer in Gesprächen waren es zum Teile andere Aspekte, über die wir geredet haben. Auf einige Fragen fand ich während des Gesprächs keine passenden Antworten. Vor allem, wie ich hinterher festgestellt habe, weil wir als Arbeitskreis zu den meisten Fragen keine eindeutigen Antworten geben können, weil es keine allgemeingültigen Antworten gibt.

Wenn ich als Individuum sage, für mich ist das so, oder so, dann ist das viel entspannter. Sicher habe ich dann auch einige Positionen, die andere nicht teilen. Wie das man für guten Sex, den man hätte haben können, aber aus falschen Gründen vermieden hat, im ewigen Leben auch die Konsequenzen haben wird. Die Lebendigkeit, die wir als Menschen haben ist ein einmaliges Geschenk, dass wir zu gutem nutzen sollen. Die Frage was gut ist, ist natürlich komplex. Deshalb ist so ein BDSM Podcast wie die Kunst der Unvernunft ja so wichtig.

Bei meinen Beurteilungen gehe ich oft nach dem, was Fachleute schreiben, satt nach dem was Menschen meinen. Das kann leicht missverstanden werden. Wenn ich in der Folge sage: Das Thema BDSM ist durch, meine ich die Fachleute, die wenn sie solche sind, auch wissen, dass es einvernehmlichen BDSM gibt. Den Menschen in den Kirchen ist das nicht immer klar. Aber diesen Reflex BDSM muss doch schlecht sein gibt es außerhalb der Kirchen auch. Im Gespräch merkt man den Unterschied, dass Menschen, die so denken ihre Meinung nicht begründen können. Das passiert den Fachleuten nicht.

Das mit den Gefahren des BDSM ist dann der sichere Hafen, wenn man gegen BDSM ist. Dieser Aspekt kam in der Folge nur ganz kurz. BDSM ist nicht gefährlicher als anderes. Man kann auch so Opfer von Gewalt oder eines Unfalles werden. Die Angst viele Menschen ist bei BDSM höher, auch weil sie nicht wissen wie es geht. Wie man zum Beispiel herausfindet, ob man einem möglichen Partner vertrauen kann oder besser doch nicht. Menschen mit Erfahrung haben da eine Strategie und damit ein geringeres Risiko.

In einem Gespräch darüber was gut und richtig ist haben irrationale Ängste nur indirekt eine Bedeutung, dass man über sie spricht. Im Alltag sind sie aber sehr wichtig, denn wir müssen dort mit ihnen leben. Bitte werdet durch meine Einschätzung in der Folge des Podcast nicht unvorsichtig in eurem Alltag.

Bundestreffen im Harz

Unser nächstes Bundestreffen wird vom 24. – 26.2. 2023 im Harz stattfinden. Wir werden kein Tagungshaus haben, sondern jeder bucht sich sein Zimmer selbst. Tagen werden wir in einer privaten Ferienwohnung. Die Anzahl der Teilnehmenden ist auf Grund der Räumlichkeit begrenzt.

Das Thema ist die Losung des Kirchentages: „Jetzt ist die Zeit“ und es wird um unsere Botschaft für den Kirchentag und ihre konkrete Umsetzung gehen. Also jetzt ist die Zeit offen über Sexualität zu reden und eine gerechtere Sexualmoral zu schaffen. Auch der persönliche Austausch soll nicht zu kurz kommen. Februar ist früher als sonst, aber vielleicht haben wir ja noch Schnee.

Es wird sicher auch wieder ein Andacht oder einen Gottesdienst geben.

Bei Interesse gern melden. Den genauen Ort bekommen die Teilnehmer nach der Anmeldung genannt. Diese Treffen sind wegen der weiten Anreisen aus dem ganzen deutschen Sprachraum immer über ein Wochenende. Also Anreise am Freitag bis 15:00 oder 16:00 Uhr und Abreise am frühen Sonntag Nachmittag. Wenn ihr uns erstmal kennen lernen wollt sind die virtuellen Treffen sicher noch besser.

BDSM auf dem Kirchentag

Wir werden 7. -11. Juni 2023 auf dem Evangelischen Kirchentag einem Infostand anbieten. Besucher sollen sich bei uns persönlich und unvoreingenommen über BDSM informieren können. Der Kirchentag ist eine Großveranstaltung mit über 100.000 Teilnehmenden. Es wird über 500 solcher Stände auf dem Messegelände geben. Sie zeigen die vielen Möglichkeiten, wie Menschen sich engagieren. Das Angebot ist sicher nicht nur für Christen interessant und durchaus kontrovers.

In den Medien gibt es sicher viele Informationen seit BDSM so in Mode ist. Auch das kommerzielle Angebot wird immer größer. Aber um sich eine Meinung zu bilden, sind persönliche Gespräche wichtig. Im Tabubereich der Sexualität, kommen diese leider oft zu kurz. Es ist die Zeit, das zu ändern.

Warum also BDSM auf dem Kirchentag? Niemand fragt sich, was meint denn die Kirche oder der Glaube dazu, wenn er ein Auto kauft. Dabei wäre das wegen der Klimaproblematik und der Ungerechtigkeit, durchaus eine Frage wert. Aber bei der Sexualmoral kommen viele auf die Kirche. Meist als Sündenbock für unsere verklemmte Sexualität. Nur selten mit der ernsthaften Frage nach aktueller Ethik. Dabei gäbe es durchaus Antworten. Auch hier stecken wir als Gesellschaft in Vorurteilen fest.

„Jetzt ist die Zeit“ (Mk 1,15) ist die Losung des Kirchentages. Jetzt ist die Zeit für eine gerechtere Sexualmoral und offene Gespräche über Neigungen und Wünsche. Vom Grundsatz des Einvernehmen im BDSM können auch andere lernen. Schlussendlich muss jeder entscheiden und verantworten, was sie oder er möchte und was nicht. Dazu gehört das Wissen, was wie geht und was nicht. Deshalb sind Gespräche so wichtig.

Wenn ihr uns auf dem Kirchentag besuchen wollt, werdet ihr hier auf unserer Seite kurz vorher lesen können, in welcher Halle (vermutlich Halle 1) und mit welcher Nummer ihr den Stand findet. Noch sind die Hallenpläne in der Entwurfsphase. Es wird vom Kirchentag auch ein Programm und eine App geben.

Das Bild oben ist vom Kirchentag 2013 in Hamburg. Wie unser Stand 2023 aussehen wird wissen wir selbst noch nicht. Das Konzept ist jetzt in der Planung. Wer uns bei der Planung oder auch der Durchführung helfen möchte, oder auch sonst Interesse am Arbeitskreis hat, gern melden.

Blick von der Treppe in die Halle mit unserem Stand 2013

Was sagt die Bibel zu BDSM?

Das Konzept BDSM gab es zu biblischer Zeit noch nicht, also kann in den Texten der Bibel auch nichts dazu stehen. Zum Thema Sexualität und auch zu Machtverhältnissen findet sich aber sehr viel. Daraus kann man natürlich Rückschlüsse zu BDSM heute schließen. Diese werden wegen der großen Vielfalt von BDSM-Identitäten und Glaubensformen auch innerhalb des christlichen, sehr unterschiedlich ausfallen. Ihr findet in den Texten auf unserer Seite schon sehr viele individuelle Ansätze.

Ist das Christentum nicht sexualitätsfeindlich?

Nein, schon in der Vorgängerreligion dem Judentum wird Sexualität eher positiv gesehen und mit Segen und Fruchtbarkeit in Verbindung gebraucht. Es gab ein wichtige Vorstellung von Reinheit und gute Sexualität fand in der Ehe statt.

Daran hat sich mit dem Christentum nichts geändert. Eine neue Variante der Enthaltsamkeit ist allerdings mit Paulus hinzu gekommen, aber sie war nicht gegen die Sexualität gerichtet.

Später gab es dann eine Vorstellung von Sünde, die aber nicht nur christliche Wurzeln (vergl. Gnosis) und die Sexualität innerhalb der Ehe selbstverständlich nicht negativ gesehen hat. Eher sah man die Menschen als schlecht, was die göttliche Vergebung, noch wichtiger machen sollte. Diese Vorstellungen sind aber weitestgehend überwunden. Eine Geschichte der christlichen Sexualmoral ist sehr komplex und mehrere davon unserer Literaturliste zu finden.

Darf man das?

Nicht nur Christinnen und Christen stellt sich beim Thema BDSM die Frage, ob man „das darf“. Ist das, was Menschen unter dem Label BDSM miteinander machen, juristisch und/oder moralisch erlaubt? Menschen christlichen Glaubens stellt sich dabei die zweite Frage, die nach der moralischen Legimitation, allerdings noch einmal dringlicher, denn die christliche Lehre ist unter anderem auch eine Morallehre mit genauen Vorstellungen darüber, wie Menschen gut miteinander umgehen sollen.

Zunächst zur ersten Frage. Juristisch ist BDSM unbedenklich – solange alles, was geschieht, einvernehmlich geschieht, und dabei keine unvernünftigen gesundheitlichen Risiken eingegangen werden. Was vernünftig und was unvernünftig ist, ist natürlich nicht einfach zu definieren – vielleicht lässt es sich am einfachsten an einem Beispiel erläutern. Fahrradfahren ohne Helm birgt gesundheitliche Risiken. Der Gesetzgeber schätzt diese aber als nicht so schwerwiegend ein, dass er Fahrradfahren ohne Helm verbieten würde. Beim Motorradfahren sieht er das anders, und so ist hier der Helm vorgeschrieben und Fahren ohne Helm verboten. Nun hat der Gesetzgeber nicht alle Aspekte erotischer und sexueller Interaktion gleichermaßen detailverliebt durchdekliniert wie das Verhalten im Straßenverkehr. Hier sind also die Beteiligten selbst aufgefordert, ihren gesunden Menschenverstand einzusetzen, um die gesundheitlichen Risiken gering zu halten. Solange sie das beachten und dabei einvernehmlich miteinander umgehen, ist BDSM juristisch unbedenklich.

Ist BDSM aber auch mit christlichen moralischen Wertvorstellungen vereinbar? Das halten wir bei der „richtigen Ausübung“ von BDSM definitiv für gegeben. Ein liebevoller Umgang im Kontext einer BDSM-Beziehung tut allen Beteiligten gut. Ein*e verantwortungsvolle*r Dom achtet mit großer Selbstverständlichkeit auf das Wohlergehen des/der Sub. Umgekehrt steht für den/die Sub idealerweise nicht allein das eigene Erleben im Mittelpunkt. Stets sollte die andere Seite „mitgedacht“ werden. Wenn man dann sieht, dass man nicht nur selber seine Freude an der Interaktion hatte, sondern auch dem anderen etwas geben konnte, ist die Freude doppelt groß.

Natürlich kann BDSM auch lieblos praktiziert werden, wobei dann das eigene Erleben im Mittelpunkt steht und auf das Erleben des Anderen keine Rücksicht genommen wird. Aber das gilt für jede Form erotischer oder sexueller Interaktion. Auch ehelicher Sex kann lieblos und rücksichtslos erfolgen. Es geht also immer um die Liebe. Wenn die Frage zum Thema BDSM lautet, ob „man das darf“, dann lautet die Antwort wie bei allem anderen Verhalten gegenüber anderen Menschen: Liebe, und tu was du willst. OK, den Satz haben wir jetzt bei Augustinus geklaut. Darf man das? Bestimmt…

Ist Christen BDSM erlaubt?

Der Arbeitskreis ist nicht zusammen gekommen um zu entscheiden, ob BDSM nun für Christen erlaubt sei oder nicht. Auch wenn manche dies vermuten oder erwarten. Diese Entscheidung muss jeder selbst nach seinem Gewissen und seinen Erfahrungen treffen.

Was wir können, ist einander durch Teilen von Wissen und Erfahrungen unterstützen. Beide Welten, die des BDSM und die der christlichen Religion sind zu komplex für pauschale ja oder nein Antworten.

Es gibt aber dennoch Antworten die man geben kann. Zum Beispiel das BDSM einvernehmlich ist und Einvernehmlichkeit auch in jeder aktuellen christlichen Sexualethik eine große Rolle spielt. Aktuellen, weil es Jahrhunderte lang nicht die Hauptfrage war. Innerhalb des BDSM gibt es viele Techniken, das Einvernehmen sicher zu stellen. Diese sind sicher darüber hinaus von Bedeutung.

Manche, die BDSM ablehnen, unterstellen pauschal Ehebruch, das ist aber nicht korrekt, weil BDSM auch innerhalb der Ehe gelebt wird. Hier muss man also differenzieren.